Liebe SPD, es bedarf eines Antrags! - Ein Soziokulturelles Zentrum für Duisburg

20. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 7 - 9 min.

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“Wir sind so nah dran wie nie zuvor.”

sagte Kulturdezernent Krützberg am 4. April dieses Jahres, als er auf der Couch im Ladenprojekt 47 auf der Münzstraße saß. Er war als besonderer Gast im Rahmen einer Veranstaltungsreihe geladen, die die freie Kunstszene Duisburgs für die diesjährigen Akzente ausgetragen hatte. Das, was Krützberg so nah wie noch nie sah, war die Realisierung eines Projektes für das etliche Akteur*innen aus Duisburgs freier Kunstszene seit mehr als fünfzehn Jahren ehrenamtlich gekämpft haben: die Erprobungsphase eines Soziokulturellen Zentrums für Duisburg.

Seit dieser Veranstaltung ist viel geschehen. Der Besitzer einer Immobilie am Stapeltor hat sich gemeldet und angeboten, das Soziokulturelle Zentrum dort zu realisieren. Nach einer Besichtigung und einem gegenseitigen Kennenlernen stand schnell fest, dass der Ort von allen Beteiligten für geeignet befunden wurde. Die Ermöglichungsgruppe, die aus Akteuren von Kultur, Poltik und Verwaltung gebildet wurde mit dem Ziel, ein solches Zentrum erprobend im Zeitraum 2018/2019 und dauerhaft ab spätestens 2020 in Betrieb zu nehmen konnte nun mit der Arbeit fortfahren.

Am 25. November 2019 könnte der Stadtrat den Startschuss geben… könnte

Von Seiten der Politik war seit einer Informationsveranstaltung im Gramatikoff klar geworden, dass das Projekt Unterstützung finden wird, wenn ein Ort, ein Finanz- und Fachkonzept vorliegt. Ein Ort war ja nun gefunden. Der Beschluss des Kulturausschusses vom 11.04.2019 beauftragte die Verwaltung, ein Finanzkonzept zu erarbeiten. In einer weiteren Sitzung des Ausschusses wurden die Akteur*innen eingeladen, das Nutzungs- und Finanzkonzept sowie den aktuellen Stand der Dinge vorzustellen.

Hier wurde deutlich, dass die künftigen Betreiber des Stapeltors “ihre Hausaufgaben” gemacht hatten. Dezidierte Baupläne für den notwendigen Nutzungsänderungsantrag wurden mit Hilfe des Architekten Dieter Düster vorbereitet, das Brandschutzgutachten war auf den Weg gebracht und auch die Schallprognose erwies sich als unkritisch. Der Bauantrag wurde mittlerweile gestellt, aber noch noch nicht entschieden. Die Aktivist*innen sind guter Dinge, in der nächsten Sitzung des Rates der Stadt Duisburg am 25. November den Startschuss zu erhalten.

Um in der nächsten Ratssitzung einen entsprechenden Beschluss fassen zu können bedarf es jedoch eines Antrags. Die Duisburger SPD hat hat sich bereits mehrfach dazu bekannt, das Soziokulturelle Zentrum am Stapeltor unterstützen zu wollen, GRÜNE und Linke ebenso.

Schaut man in die vorläufige Tagesordnung der Ratssitzung vom 25. November, so findet man jedoch leider keinen hierauf zielenden Antrag.

Sollte es nicht zu einem gemeinsamen Antrag kommen, so wäre dies ein katastrophales Zeichen für die Aktivist*innen, die sich mit höchstem ehrenamtlichen Engagement und natürlich komplett unentgeltlich lange Zeit mit viel Herzblut für diesese Projekt eingesetzt haben. DU erhält(st) Kultur hat Fördergelder in Wettbewerben für dieses Projekt gewonnen. Diese Förderung würde wegfallen, wenn es nicht noch in diesem Jahr zur Umsetzung kommt. Dies wäre nicht nur ein Wegfall von Geldern sondern auch eine mangelnde Wertschätzung der Leistung der Aktivist*innen durch Politik und Verwaltung.

Falls die Aktivist*innen entmutigt würden, hätte Duisburgs Politik diese Chance zur kultur- und integrationspolitischen Weiterentwicklung verspielt. Darüberhinaus ist auch fraglich, wie lange der Besitzer der Immobilie noch die Geduld aufbringen wird, die Räumlichkeiten für das Projekt freizuhalten. Für ihn bedeutet das Warten auf den Startschuss nämlich Verluste, denn der Raum könnte sicherlich anderweitig vermietet werden.

Die Politik ist also gefragt. Allen voran: die SPD Duisburg, denn sie könnte eine Mehrheit im Rat verschaffen. Nun auf, liebe SPD! Die Fraktionen der GRÜNEN und sicherlich auch der Linken stehen bereit! Diese Stadt braucht einen Ort für Soziokultur. Lasst es uns angehen!

Update

  • 22.11.2019: Mittlerweile gibt es einen Antrag der Fraktion der GRÜNEN im Rat der Stadt, der darauf zielt, die Erprobungsphase des Soziokulturellen Zentrums mit dem vorliegenden Konzept zu beginnen und die städtischen Zuschüsse vorbehaltlich der Genehmigung zur Nutzungsänderung auszuzahlen. Doch ohne die Unterstützung der SPD hat dieser Antrag sicherlich keine Chance. Hier die Pressemitteilung der GRÜNEN Ratsfraktion vom 21. November 2019 dazu
  • 22.11.2019: In einer vorigen Version dieses Artikels hieß es, es bedürfe einer Beschlussvorlage. Dies ist nicht richtig. Es bedarf eines Antrages. Dies wurde korrigiert.

Die Bilder stammen von einer Schnupperveranstaltung am 19.11.2019. Nichtöffentlich wurden Kulturinteressierte, Nachbar*innen, Politiker*innen, etc. eingeladen, den Stand der Dinge zu erfahren und die Räumlichkeiten kennenzulernen. Die Aktivist*innen haben gezeigt, was in ihnen steckt: es war ein stimmungsvoller Abend mit Musik und Tanz im Gebäude des Stapeltor 6. Etwa 200 Menschen waren zu Gast und alle waren begeistert zu sehen, was hier in Duisburg entstehen wird.

Das Video unten zeigt die Aufzeichnung der Veranstaltung im 47, die unter dem Titel Ermöglichen - So geht das. Teil 3 - Na siehste, geht doch! im Rahmen der Duisburger Akzente stattfand - Quelle

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