Soziolulturelles Zentrum - Die Ratssitzung

25. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 8 - 10 min.

duisburg gedanken kultur politik soziokultur

Die Mehrheit des Rates der Stadt Duisburg hat heute in der öffentlichen Sitzung den Antrag “Erprobungsphase im Soziokulturellen Zentrum Stapeltor ermöglichen und unterstützen” abgelehnt.

Der Antrag sah vor, dass die Erprobungsphase mit dem vorliegenden Konzept begonnen werden und dass der Haushalt um die dazu benötigten Zuschüsse ergänzt werden solle. Weiterhin solle nach positiver Evaluation der Erprobungsphase ein weiterer Zuschuss für das Jahr 2021 zur Verfügung gestellt werden. Die Zuschüsse sollten vorbehaltlich der Genehmigung zur Nutzungsänderung ausgezahlt werden.

Nachdem Claudia Leisse von den GRÜNEN für den Antrag warb, bekräftigte Bruno Sagurna (SPD), dass das Projekt zwar generell unterstützt werde, aber erst dann, wenn alle notwendigen Anträge positiv beschieden seien. Die Genehmigung des Nutzungsänderungantrages stehe hier noch aus und ohne diesen könne es nicht weitergehen.

In der anschließenden Diskussion wurde der Antrag unter anderem damit begründet dass es - wenn doch das Projekt so breite Zustimmung erfahre - doch im zu verabschiedenden Haushalt vorgesehen werden müsse.

Kulturdezernet Krützberg bekräftigte dann noch einmal die Aussage Sagurnas, dass auch er seitens der Verwaltung nichts erarbeiten und zur Abstimmung reichen würde, das nicht genehmigt sei. Wenn es soweit sei würde man eine Finanzierungsmöglichkeit finden.

Bei der anschließenden Abstimmung stimmten die Fraktionen der Linken, der GRÜNEN und Ratsfrau Britta Söntgerath für und die große Mehrheit gegen den Antrag.

Resümee

Der Ratsentschluss ist natürlich ein weiterer Schlag ins Gesicht der Leute, die hier unter großem persönlichen und ehrenamtlichen Einsatz jahrelang auf das Soziokulturelle Zentrum hingearbeitet haben, aber hey… think positive! Immerhin:

  • gab es eine Diskussion im Rat! Bei so manch anderer Entscheidung hat die Groko sich nichtmals gegen einen Antrag geäußert, bevor er mehrheitlich abgelehnt wurde.
  • kam das Wort Soziokulturelles Zentrum wohlgesonnen und als dringend nötig bezeichnet in den Haushaltsreden von FDP, GRÜNEN und Ratsfrau Söntgerath vor.
  • wurde deutlich, dass das Projekt auch in der Fraktion Junges Duisburg wohlwollend behandelt wird.
  • ist klar geworden, dass die SPD mehrheitlich hinter dem Projekt steht und endlich öffentlich zugesichert hat, dass sie bei erteilten Genehmigungen auch zustimmen wird.

Bleibt nur zu hoffen, dass eine Konstante nicht wegbricht, mit der bisher alle gerechnet haben: Das Engagement und die Energie der Aktivst*innen und die Bereitschaft des Immobilienbesitzers.

Nachtrag

Mittlerweile gibt es eine Pressemitteilung der Initiative DU erhält(st) Kultur zur Ratssitzung:

Stellungnahme von DU erhält(st) Kultur

Soziokulturelles Zentrum: STAPELTOR-Initiative ist irritiert, aber weiter optimistisch

Der Rat der Stadt Duisburg hat dem Antrag über die Finanzierung des Soziokulturellen Zentrums nicht zugestimmt. Die Kosten für den Umbau des Gebäudes am Stapeltor sowie die Betriebskosten für die Erprobungsphase hätten in den Doppelhaushalt 20/21 eingeplant werden können. Nach den sehr produktiven Gesprächen mit Ratsmitgliedern vieler Parteien (Grüne, SPD, Linke, FDP) war der gemeinsame Zeitplan, diesen November endlich den Ratsbeschluss über die finanzielle Ermöglichung des Vorhabens zu erreichen. Anfang November hatten wir den Nutzungsänderungsantrag samt Brandschutzgutachten beim Bauordnungsamt eingereicht und damit den letzten notwendigen Schritt getan. Nun hat es also leider – wie bei den vorherigen drei Versuchen, im Kulturausschuss eine Beschlussvorlage zu diskutieren und dem Rat der Stadt zur Abstimmung zu empfehlen – immer noch nicht geklappt. Wir sind einerseits enttäuscht, geben aber unsere Hoffnung nicht auf.

Unsere Stellungnahme zur Ratssitzung vom 25.11.2019:

  1. Nach nun 14-monatiger ehrenamtlicher Arbeit vieler Akteur*innen, die endlich in und für Duisburg Soziokultur machen wollen, bedeutet die Ablehnung für uns nun wieder einmal: abwarten, vertrösten, weiterkämpfen.
  2. Wir haben den Antrag der Grünen zur Einstellung der Umbau- und Betriebskosten für die Erprobungsphase in den Haushalt und die Zustimmung der Fraktionen der Grünen um Claudia Leiße, der Linken sowie von Ratsfrau Britta Söntgerath sehr begrüßt und bedauern, dass im Vorfeld der Ratssitzung mit der SPD-Fraktion keine Einigung über den Zeitplan erfolgte.
  3. Wir entnehmen jedoch den Äußerungen in der Ratssitzung, dass auch die SPD-Fraktion hinter dem Projekt steht und öffentlich zusichert, dass sie bei erteilter Genehmigung der Finanzierung zustimmen wird. Dann ist ja eigentlich alles klar. Wir stehen in den Startlöchern.
  4. Die rege Debatte in der Ratssitzung stimmt uns positiv. Sie zeigt, wie wichtig das Thema für Duisburg ist. Offensichtlich sprechen sich viele demokratische Parteien, Ratsfraktionen, Ratsmitglieder inhaltlich nun für ein Soziokulturelles Zentrum aus. Na also, geht doch.
  5. Vor diesem Hintergrund verstehen wir weiterhin schlicht nicht, warum es nicht möglich ist/war, Finanzmittel für ein Vorhaben, das von einer großen Ratsmehrheit unterstützt wird, „vorbehaltlich der bauordnungsamtlichen Genehmigung“ in den Haushalt einzustellen, um endlich für Planungssicherheit zu sorgen.
  6. Dies wäre ein wichtiger Schritt für unser Bemühen, die uns vom Fonds Soziokultur zugesagten Fördermittel i.H.v. 19.000 €für die sozio-kulturelle Arbeit der Erprobungsphase, welche uns ursprünglich für das Jahr 2019 zugesagt wurden, in das Jahr 2020 transferieren zu dürfen. Wir stehen in engem Kontakt mit dem Fonds Soziokultur und kämpfen nach der erneuten Verzögerung weiter darum, diese Mittel nicht endgültig zu verlieren. Wenn in diesem Jahr doch noch ein positiver Beschluss der Stadt erfolgt, könnte uns dies eventuell noch gelingen. Auch für den Eigentümer der Immobilie, der uns die Räume nun seit 8 Monaten freihält, wäre dies ein wichtiges Signal, er kann nicht mehr lange in Vorleistung gehen.
  7. Wir sind irritiert über eine in der WAZ zitierte Aussage von Kulturdezernent Krützberg, wir seien „ohne inhaltliches Konzept“. Unser Erprobungs-Konzept erarbeiteten wir für die beim Kulturdezernenten angesiedelte Ermöglichungsgruppe Soziokulturelles Zentrum. Dort ist es seit Anfang des Jahres die Basis unserer gemeinsamen Arbeit. Zugleich legten wir es als Projektantrag dem Bundes-Fonds Soziokultur vor und wurden nach einem strengen und konkurrenzreichen Auswahlverfahren mit einer Förderzusage belohnt. Im September präsentierten wir dieses Konzept zudem im Kulturausschuss der Stadt Duisburg, hier wurde unsere Professionalität ausdrücklich gelobt. Wir gehen davon aus, dass es sich bei dem Zitat um ein Missverständnis handelt.
  8. Damit das Projekt nicht kurz vor dem Ziel scheitert, hoffen wir weiter auf eine Lösung noch in diesem Jahr und vertrauen auf die Verwaltung und Politik unserer Stadt, nach Genehmigung durch das Bauordnungsamt einen Dringlichkeitsbeschluss zu erwirken, wie von Herrn Krützberg im Rat der Stadt und zuvor öffentlich angekündigt. Wir sind weiter zuversichtlich, aber die Zeit drängt.


Was ist ein soziokulturelles Zentrum?

22. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 9 - 11 min.

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In einem vorigen Post berichtete ich bereits über den Stand der Dinge bezüglich des Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor 6, das es derzeitig (Stand November 2019) in Duisburg noch nicht gibt und das entstehen könnte, wenn Verwaltung und Politik, insbesondere die SPD Duisburg, mitspielen würden. Dieser Artikel will aufklären, was man eigentlich unter einem solchen Zentrum versteht und warum es eine Bereicherung für diese Stadt sein würde.

Was ist ein soziokulturelles Zentrum?

Eine einfache Definition:

Das Soziokulturelle Zentrum ist ein Ort der Zusammenkunft für Bürger*innen aller Stadtteile, um niedrigschwellige soziale kulturelle Angebote zu konsumieren oder selbst zu schaffen.

Es geht also um Integration im weitesten Sinne - also der Integration all derer, die in der Stadt leben, egal ob arm oder reich, gebildet oder bildungsfern, deutschsprachig oder nicht. Es geht darum, alle Leute zusammenzubringen, um möglichst vielen Leuten einer Stadt kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und um demokratische Prozesse zu pflegen.

Noch anschaulicher ist die Beschreibung des Begriffes in diesem Video aufbereitet. (Quelle/ Urheber: Kulturzentrum BARMBEK°BASCH).

Ein Gewinn für die Stadt

Soziokulturelle Zentren sind eine Bereicherung für eine Stadt, denn sie geben nicht nur allen Menschen eine Möglichkeit der kulturellen Teilhabe, sondern sie verleihen einer Stadt auch einen weiteren urbanen Charakter.

Schaut man in die Nachbarstädte Oberhausen, Essen, Bochum oder Düsseldorf, so fällt auf, dass sie seit Jahrzehnten solche Einrichtungen etabliert haben. Nicht nur das. Kultur hat sich nach dem Strukturwandel im Ruhrgebiet als eigenständige Branche herausentwickelt und soziokulturelle Zentren wie zum Beispiel der Bahnhof Langendreer in Bochum, das Zakk in Düsseldorf, die Zeche Carl in Essen oder aber das Druckluft und das Zentrum Altenberg in Oberhausen sind wichtige Player in dieser Branche geworden. Sie ergänzen das Kulturangebot einer Stadt um solche, die den urbanen Charakter ebenso ausmachen wie das Vorhandensein eines Theaterensembles, eines Sinfonieorchesters oder einer Oper. Sie ziehen unterschiedlichste Menschen in die Städte, erhalten Freiräume und sie fördern sowohl Kreativität als auch die Agilität einer Stadtgesellschaft.

Duisburg - eine Stadt ohne Subkultur?

Duisburg ist eine der wenigen Großstädte ohne ein solches Soziokulturelles Zentrum. Die freie Kunstszene hat es seit jeher schwer. Die großen Kulturfestivals fokussierten sich in der Vergangenheit eher darauf, kulturelle Angebote auswärtig einzukaufen als lokale Kultur zu fördern. Der städtische Etat für die freie Kunstszene im Haushalt der Stadt war im Vergleich zu den anderen Ruhrgebietsstätten auffallend gering.

Dennoch gediehen mit wenig oder gar keiner städtischen Förderung durchaus “kleine Perlen” im Stadtgebiet. Ob dies nun das 47 in der Münzstraße ist, das Lokal Harmonie in Ruhrort, das Syntopia in Hochfeld oder der Rote Stern Ruhrort. Dies alles sind Stätten, an denen kulturelle Teilhabe ermöglicht wird und auch bewiesen wird, dass es in dieser Stadt einen Bedarf dafür gibt. Hinzukommen die wenigen Clubs in Duisburg, die Subkultur pflegen und entstehen lassen. Doch werden diese nicht als Kulturstätten angesehen sondern vielmehr als Vergnügungsstätten. Sie haben häufig mit den Nachbarn zu kämpfen, die - obwohl sie innenstadtnah wohnen - wenig tolerant gegenüber Ruhestörungen nach 22 Uhr sind. Solche Orte sind rar gesäht und gefährdet in Duisburg. Die Stadt muss endlich begreifen, dass sie wichtig sind und Bestandteil eines agilen Innenstadtentwicklungskonzeptes sein können.

Erfolgreich scheitern - Es gibt keinen Antrag für die nächste Ratssitzung

Obwohl die Duisburger SPD sich bereits mehrfach zu dem Projekt bekannt hat (GRÜNE, FDP und Linke ebenso) bringt sie keinen Antrag in den Rat ein, die Verwaltung leider auch nicht.

Die Aktivist*innen waren bereits erfolgreich. Sie haben Wettbewerbe und damit Fördergelder für ihr Konzept des Soziokulturellen Zentrums gewonnen. Diese Gelder könnten nicht abgerufen werden, wenn es keinen Antrag in der Ratssitzung vom 25.11.2019 gibt, in der hierüber entschieden wird. Wenn es scheitern würde, wäre dies eine große vertane Chance und eine Schande für Politik und Verwaltung gegenüber den Ehrenamtlichen, die somit jahrelang umsonst für dieses Projekt gekämpft hätten.

Mittlerweile gibt es einen Antrag der Fraktion der GRÜNEN im Rat der Stadt, der darauf zielt, die Erprobungsphase des Soziokulturellen Zentrums mit dem vorliegenden Konzept zu beginnen und die städtischen Zuschüsse vorbehaltlich der Genehmigung zur Nutzungsänderung auszuzahlen. Doch ohne die Unterstützung der SPD hat dieser Antrag sicherlich keine Chance. Hierzu die Pressemitteilung der GRÜNEN Ratsfraktion vom 21. November 2019:

Pressemitteilung der GRÜNEN Ratsfraktion vom 21. November 2019

In der nächsten Ratssitzung am 25. November wird über den Haushalt der Stadt Duisburg der kommenden 2 Jahre beschlossen. Allerdings sind bisher keine finanziellen Mittel für die Erprobungsphase des Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor eingestellt wurden. Ohne eine finanzielle Zusicherung seitens der Stadt könnte das Projekt die schon beantragten Fördermittel des Landes verlieren. Damit dies nicht passiert, haben die GRÜNEN einen Haushaltsantrag gestellt, mit dem das Projekt Soziokulturelles Zentrum noch zu retten wäre.

Claudia Leiße, Fraktionssprecherin und Mitglied im Kulturausschuss erläutert:

„Aktive des Soziokulturellen Zentrums in Gründung stellten dem Kulturausschuss im Sommer ihr Konzept vor. Es ist plausibel und durchdacht und die Finanzierung nachvollziehbar. Über alle Fraktionen hinweg wurde Unterstützung zugesichert, denn ohne Zuschuss der Stadt ist die Einrichtung eines solchen Zentrums für alle Generationen und Kulturen nicht möglich. Und doch findet sich im Haushalt nicht einmal die kleinste Erwähnung des Zentrums wieder. Und die fordern wir jetzt ein.

Wir können nicht verstehen, wie wenig Wertschätzung das ehrenamtliche Engagement der Aktiven des Soziokulturellen Zentrums in Duisburg erfährt. Sie haben bisher die Arbeit gemacht, die eigentlich schon die Stadt vor Jahren hätte machen müssen. Und das aus eigener Kraft mit großem Einsatz und geringen Finanzmitteln vom Land.“

Die Geschichte des Soziokulturellen Zentrums in Duisburg ist eine, die von vielen Höhen und Tiefen geprägt ist. Seit mehr als drei Jahren arbeitet eine Gruppe Ehrenamtlicher an der Einrichtung eines Soziokulturellen Zentrums und immer wieder wurden sie vertröstet.

Nachdem die Stadtverwaltung klar gemacht hatte, dass die Alte Feuerwache in Hochfeld nicht mehr zur Verfügung steht, suchten sie nach neuen Räumlichkeiten im Innenstadtbereich.

Im vergangenen Jahr bot sich schließlich die Chance, den Traum eines Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor im ehemaligen Textilhaus Decher zu verwirklichen. Der Eigentümer Christian Otto zog genauso mit wie der Architekt Dieter Düster. Ein Konzept für eine Erprobungsphase wurde erstellt, die Finanzierung dargelegt und schließlich der Antrag auf Baugenehmigung eingereicht.

All dies reicht dem Kulturdezernenten und den Entscheidern der Politik offensichtlich nicht, denn die Stadt Duisburg hätte Mittel zur Unterstützung des Vorhabens in den Haushalt einstellen müssen.

Nun drängt die Zeit, denn gerade Letztere drohen Anfang 2020 zum Teil verloren zu gehen, weil es keinen politischen Beschluss zum Beginn der Erprobungsphase gibt.

Claudia Leiße hofft noch auf ein Einlenken insbesondere der SPD, die auf ihrem Parteitag vor zwei Jahren den Beschluss gefasst hatte, dass es in Duisburg ein Soziokulturelles Zentrum geben soll: „Die SPD sollte sich doch an ihre eigenen Beschlüsse nicht nur erinnern, sondern auch halten.“

  • 22.11.2019: In einer vorigen Version dieses Artikels hieß es, es bedürfe einer Beschlussvorlage. Dies ist nicht richtig. Es bedarf eines Antrages. Dies wurde korrigiert.


Liebe SPD, es bedarf eines Antrags! - Ein Soziokulturelles Zentrum für Duisburg

20. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 7 - 9 min.

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“Wir sind so nah dran wie nie zuvor.”

sagte Kulturdezernent Krützberg am 4. April dieses Jahres, als er auf der Couch im Ladenprojekt 47 auf der Münzstraße saß. Er war als besonderer Gast im Rahmen einer Veranstaltungsreihe geladen, die die freie Kunstszene Duisburgs für die diesjährigen Akzente ausgetragen hatte. Das, was Krützberg so nah wie noch nie sah, war die Realisierung eines Projektes für das etliche Akteur*innen aus Duisburgs freier Kunstszene seit mehr als fünfzehn Jahren ehrenamtlich gekämpft haben: die Erprobungsphase eines Soziokulturellen Zentrums für Duisburg.

Seit dieser Veranstaltung ist viel geschehen. Der Besitzer einer Immobilie am Stapeltor hat sich gemeldet und angeboten, das Soziokulturelle Zentrum dort zu realisieren. Nach einer Besichtigung und einem gegenseitigen Kennenlernen stand schnell fest, dass der Ort von allen Beteiligten für geeignet befunden wurde. Die Ermöglichungsgruppe, die aus Akteuren von Kultur, Poltik und Verwaltung gebildet wurde mit dem Ziel, ein solches Zentrum erprobend im Zeitraum 2018/2019 und dauerhaft ab spätestens 2020 in Betrieb zu nehmen konnte nun mit der Arbeit fortfahren.

Am 25. November 2019 könnte der Stadtrat den Startschuss geben… könnte

Von Seiten der Politik war seit einer Informationsveranstaltung im Gramatikoff klar geworden, dass das Projekt Unterstützung finden wird, wenn ein Ort, ein Finanz- und Fachkonzept vorliegt. Ein Ort war ja nun gefunden. Der Beschluss des Kulturausschusses vom 11.04.2019 beauftragte die Verwaltung, ein Finanzkonzept zu erarbeiten. In einer weiteren Sitzung des Ausschusses wurden die Akteur*innen eingeladen, das Nutzungs- und Finanzkonzept sowie den aktuellen Stand der Dinge vorzustellen.

Hier wurde deutlich, dass die künftigen Betreiber des Stapeltors “ihre Hausaufgaben” gemacht hatten. Dezidierte Baupläne für den notwendigen Nutzungsänderungsantrag wurden mit Hilfe des Architekten Dieter Düster vorbereitet, das Brandschutzgutachten war auf den Weg gebracht und auch die Schallprognose erwies sich als unkritisch. Der Bauantrag wurde mittlerweile gestellt, aber noch noch nicht entschieden. Die Aktivist*innen sind guter Dinge, in der nächsten Sitzung des Rates der Stadt Duisburg am 25. November den Startschuss zu erhalten.

Um in der nächsten Ratssitzung einen entsprechenden Beschluss fassen zu können bedarf es jedoch eines Antrags. Die Duisburger SPD hat hat sich bereits mehrfach dazu bekannt, das Soziokulturelle Zentrum am Stapeltor unterstützen zu wollen, GRÜNE und Linke ebenso.

Schaut man in die vorläufige Tagesordnung der Ratssitzung vom 25. November, so findet man jedoch leider keinen hierauf zielenden Antrag.

Sollte es nicht zu einem gemeinsamen Antrag kommen, so wäre dies ein katastrophales Zeichen für die Aktivist*innen, die sich mit höchstem ehrenamtlichen Engagement und natürlich komplett unentgeltlich lange Zeit mit viel Herzblut für diesese Projekt eingesetzt haben. DU erhält(st) Kultur hat Fördergelder in Wettbewerben für dieses Projekt gewonnen. Diese Förderung würde wegfallen, wenn es nicht noch in diesem Jahr zur Umsetzung kommt. Dies wäre nicht nur ein Wegfall von Geldern sondern auch eine mangelnde Wertschätzung der Leistung der Aktivist*innen durch Politik und Verwaltung.

Falls die Aktivist*innen entmutigt würden, hätte Duisburgs Politik diese Chance zur kultur- und integrationspolitischen Weiterentwicklung verspielt. Darüberhinaus ist auch fraglich, wie lange der Besitzer der Immobilie noch die Geduld aufbringen wird, die Räumlichkeiten für das Projekt freizuhalten. Für ihn bedeutet das Warten auf den Startschuss nämlich Verluste, denn der Raum könnte sicherlich anderweitig vermietet werden.

Die Politik ist also gefragt. Allen voran: die SPD Duisburg, denn sie könnte eine Mehrheit im Rat verschaffen. Nun auf, liebe SPD! Die Fraktionen der GRÜNEN und sicherlich auch der Linken stehen bereit! Diese Stadt braucht einen Ort für Soziokultur. Lasst es uns angehen!

Update

  • 22.11.2019: Mittlerweile gibt es einen Antrag der Fraktion der GRÜNEN im Rat der Stadt, der darauf zielt, die Erprobungsphase des Soziokulturellen Zentrums mit dem vorliegenden Konzept zu beginnen und die städtischen Zuschüsse vorbehaltlich der Genehmigung zur Nutzungsänderung auszuzahlen. Doch ohne die Unterstützung der SPD hat dieser Antrag sicherlich keine Chance. Hier die Pressemitteilung der GRÜNEN Ratsfraktion vom 21. November 2019 dazu
  • 22.11.2019: In einer vorigen Version dieses Artikels hieß es, es bedürfe einer Beschlussvorlage. Dies ist nicht richtig. Es bedarf eines Antrages. Dies wurde korrigiert.

Die Bilder stammen von einer Schnupperveranstaltung am 19.11.2019. Nichtöffentlich wurden Kulturinteressierte, Nachbar*innen, Politiker*innen, etc. eingeladen, den Stand der Dinge zu erfahren und die Räumlichkeiten kennenzulernen. Die Aktivist*innen haben gezeigt, was in ihnen steckt: es war ein stimmungsvoller Abend mit Musik und Tanz im Gebäude des Stapeltor 6. Etwa 200 Menschen waren zu Gast und alle waren begeistert zu sehen, was hier in Duisburg entstehen wird.

Das Video unten zeigt die Aufzeichnung der Veranstaltung im 47, die unter dem Titel Ermöglichen - So geht das. Teil 3 - Na siehste, geht doch! im Rahmen der Duisburger Akzente stattfand - Quelle

Anhang


Die GRÜNEN und Homöopathie

12. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 10 - 12 min.

gruene politik wissenschaft

Im Bayerischen Landtag (Drucksache 18/3320) wollte eine Gruppe von CSU Abgeordneten die bayerische Landesregierung auffordern, durch eine Studie untersuchen zu lassen,

wie ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann.

Man wolle einen Weg suchen, Todesfälle durch multiresistente Keime zu vermeiden. Soweit so gut. Dann wird es aber vollkommen bizarr:

Dabei soll auch und insbesondere die Rolle alternativmedizinischer Methoden in den Blick genommen werden. Auch soll in diesem Zusammenhang eine mögliche positive Rolle von ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten beleuchtet werden.

Man möchte also ermitteln, ob die so genannte “Alternativmedizin” und besonders die “Homöopathie” geeignet ist, in dieser Hinsicht Todesfälle zu verhindern, denn laut einer Studie der OECD könnten in den kommenden 31 Jahren rund 2,4 Mio. Menschen in Europa, Nordamerika und Australien an Infektionen mit multiresistenten Keimen versterben. Dieser Anstieg der tödlichen Infektionen sei in der “oftmals unnötigen Antibiotikaverordnung” begründet.

So löblich es ist, sich Gedanken zu machen, wie man dem überbordenden Gebrauch von Antibiotika und deren durchaus ernst zu nehmender Gefahr der Multiresistenzen entgegenwirken zu wollen, so weltfremd wirkt es doch, dass man versucht, Wirkungszusammenhänge von Zuckerkügelchen nachzuweisen, die man schon so oft versucht hat, nachzuweisen, jedoch immer gescheitert ist. Ein wissenschaftlich plausibler biochemischer Wirkmechanismus, der über den Placeboeffekt hinausgeht konnte bis dato jedenfalls nicht nachgewiesen werden.

Na und? Ist doch nur ein Prüfantrag!

Naja, das Schlimme daran ist:

  1. Der Antrag wurde mit der Mehrheit der Stimmen im bayerischen Landtag angenommen.
  2. Dies hat zur Folge, dass eine Studie mit Steuermitteln bezahlt wird (geschätzte 300.000 bis 400.000 Euro), dessen Ergebnis nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse bedeutungslos sein wird.
  3. Schaut man sich das Abstimmverhalten an, so fällt auf, dass nicht nur die Regierungsparteien (CSU und Freie Wähler) für den Antrag gestimmt haben, sondern bis auf drei Enthaltungen auch alle anwesenden Fraktionsmitglieder der GRÜNEN.

Die Reaktionen

Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag war sichtlich irritiert und veröffentlichte ein Sharepic mit dem Abstimmverhalten der einzelnen Fraktionen und stellte verständlicherweise fest:

Hier das Ergebnis der heutigen Abstimmung zum absurden Homöopathie-Antrag der CSU, die untersuchen lassen will, ob sich eine Sepsis statt mit Antibiotika nicht auch mit Zuckerkügelchen behandeln lässt. Wir sind etwas fassungslos. (Quelle)

(Quelle)

Der Facebookbeitrag hat bis heute (Stand 12.11.2019) 730 Kommentare. Zumeist sind es Kommentator*innen, die das Abstimmungsverhalten der GRÜNEN nicht nachvollziehen können und die Fraktion ob ihrer Wissenschaftsferne ins Lächerliche ziehen. Der Druck auf die GRÜNE Fraktion schien schließlich so hoch geworden zu sein, dass sie sich genötigt sah, selber hier den Beitrag der SPD zu kommentieren. Dieser geht jedoch völlig am Kern der Kritik vorbei und sorgte in Folge für noch mehr Gelächter und Kopfschütteln.

Wir Grüne wissen, dass wir ein zunehmendes Problem mit multiresistenten Krankheitserregern, die aus überbordendem Antibiotikaeinsatz resultieren, haben. Es ist gut, dass die Söder-Regierung nach Alternativen sucht und den Antibiotika-Einsatz wissenschaftsbasiert zurückfahren will

Grüne Glaubwürdigkeit!

Ich bin Mitglied der GRÜNEN, politisch aktiv und bin gerade dabei, mein politisches Engagement für diese Partei zu verstärken. Keine andere Partei vertritt meinen politischen Standpunkte so wie diese Partei. Gleichwohl habe ich aber eine klare Haltung zum Thema Homöopathie und bin fest davon überzeugt, dass die Wissenschaft die Methode der Wahl ist, politisches und staatliches Handeln zu leiten. Meine Partei ist die einzige Partei, die seit Jahrzenten in ökologischen Fragestellungen (zum Beispiel Klimaschutz) erstens eine klare Kante bezieht und zweitens diesen Fragestellungen eine hohe politische Priorisierung beimisst. Dies tut sie weitestgegend nüchtern, rational und auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Gerade bei emotionalen Themen - und das Thema Ökologie wird derzeitig sehr emotional politisch bearbeitet - ist es ungeheuer wichtig, sich auf Rationalität zu berufen und gerade nicht die unzählig vorhandenen Verschwörungsfantasien sowie emotions- und glaubensbasierten Entscheidungsmodelle zu bedienen. Dies finde ich besonders wichtig, da extremistische Strategen genau auf diese Mechanismen zurückgreifen, um ihr Klientel zu erreichen, zu aktivieren und zu erweitern. Dieses Spiel darf niemand mitspielen, der eine offene, freie Gesellschaft gutheißt und einen demokratischen Rechtsstaat erhalten will. Denn ein funktionierender Rechtsstaat heisst auch, dass er vorhersehbar und nach festen Regeln handelt. Glauben oder Metaphysik haben da nichts zu suchen.

Umso schmerzlicher ist es für mich, festzustellen, dass es bei uns GRÜNEN offensichtlich größere Gruppen gibt, die diese Wissenschaftlichkeit in Teilen in Frage stellen oder akzeptieren, dass ein Teil der Wählerschaft dies tut.

Das Thema Homöopathie ist hier gleichermaßen zu nennen wie auch die Themen Glyphosat und Gentechnik. Auch hier gibt es Parteientscheidungen, die scheinbar bar jeder Wissenschaftlichkeit und aufgrund von unbelegbaren Befürchtungen oder Fehlinformationen getroffen wurden. Aber dies ist sicherlich ein anderes Thema.

Und jetzt?

Vom 15. bis zum 17. November 2019 findet in Bielefeld die Bundesdelegiertenkonferenz der GRÜNEN statt. Auf dieser werden viele wichtige Richtungsentscheidungen diskutiert und beschlossen. Ein Thema könnte auch das Thema Homöopathie sein. Der Antrag “Echter Patient*innenschutz: Bevorteilung der Homöopathie beenden” hat schon die Gemüter bewegt (siehe Diskussionen im o.g. Link) und man überlegt, diesem polarisierenden Thema eine eigene Veranstaltung zu widmen.

Ich selber habe den Antrag unterstützt und wünsche mir, dass die Partei zu diesem Punkt rasch und eindeutig Position bezieht. Gleichwohl kann ich aber auch verstehen, wenn man sich dazu entschließt, diesem Thema eine eigene Veranstaltung zuzugestehen, sofern dann die Zielrichtung ist, einen gemeinsamen Beschluss in dem Thema zu fassen.

Ich halte jedenfalls die Wissenschaftsferne bestimmter Parteifreund*innen für wenig glaubwürdig, ja parteischädigend. In Gesprächen mit Freunden und potenziellen Wähler*innen stoße ich auf immer mehr Unverständnis in Bezug auf die Akzeptanz der Homöopathie im Politikverständnis der GRÜNEN. Traurig aber wahr.

Worum es eigentlich geht

Der eigentliche Knackpunkt, der hinter der ganzen Debatte steht ist doch der Umstand, dass medizinische Güter und Dienstleistungen endlich sind und dass das Problem entsteht, Kriterien zu entwickeln, wie der Staat oder Krankenkassen welche Art von Therapien und Medikamente unterstützen sollen. Viele Menschen scheuen diese Diskussion, da sie der Meinung sind, dass man so etwas nicht rationieren sollte. Letztendlich kann sich jedoch niemand davor erwehren, dass es schlichtweg nicht möglich ist, jede*n mit jeder möglichen Therapie zu versorgen.

Die Ausarbeitung eines festen, für alle gültigen und nachvollziehbaren Regelwerkes, das entscheidet, wer unter welchen Umständen welche Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, ist daher unumgänglich. Eine sinnvolle Regel, die als Eingangskriterium aller zu berücksichtigenden medizinischen Güter dienen sollte ist die wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit. Ist diese vorhanden, kann man darüber verhandeln, wer diese unter welchen Umständen staatlich bezuschusst bekommt. Falls die Wirksamkeit nicht gegeben ist eben nicht. Ob das Mittel dann ein Produkt der pharmazeutischen Industrie ist oder ein Produkt der Naturheilkunde, ist dann völlig unerheblich.

Quellen:

Medienecho


Alles neu macht der November

6. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 4 - 5 min.

gedanken nerds' stuff technologie

Seit mindestens 2005 setze ich als Blogsoftware für meine Seiten Wordpress ein. Auch wenn sich der Administrationsbedarf mit fortschreitender Versionsnummer immer weiter reduziert hat, fand ich es irgendwann nervig und vom Aufwand nicht mehr verhältnismäßig. Gerade wenn ich bedenke, wie wenig ich auf der Seite überhaupt mache.

Zwar bietet Wordpress das automatische Update der Software an aber bei den drölfzig Plugins, die ich da installiert hatte kam es immer wieder zu Konfigurationsbedürfnissen ganz zu schweigen von irgendwelchen PHP Versionsumstellungen und -inkompatibiltäten.

Außerdem ist der Gedanke, die verbreiteteste Blogsoftware zu verwenden, bei der alle paar Wochen Security Issues bekannt werden in Verbindung mit der Tatsache, dass die Tablespacegröße der benutzten Datenbank immer weiter wuchs ohne dass ich wirklich aktiv war schon ein bisschen scary.

Back to the roots

Zeit für Veränderungen jedenfalls. Ich suchte eine Methode, möglichst wartungsfrei ein paar Zeilen veröffentlichen zu können und nach Möglichkeit meine bisherigen Beiträge nicht zu verlieren.

Meine erste Webseite irgendwann aus den späten 1990ern war eine statische wahrscheinlich damals mit Frontpage Zusammengebaute und sehr “stylish”… nunja.

Und jetzt – Jahrzehnte später – hatte ich das Gefühl, die Zeit sei wieder reif für eine statische Seite.

Jekyll

Aber natürlich will heute keiner mehr eine Webseite mit dem Vi oder einem anderen Editor aufbauen und pflegen. Nach einiger Recherche stieß ich auf Jekyll – einer Ruby-basierten freien Umgebung, die komfortabel das Generieren statischer Webseiten ermöglicht. Die Software existiert schon seit 2008 und wurde seitdem stetig weiterentwickelt. Mittlerweile ist sie sehr verbreitet nicht zuletzt dadurch, dass sie von Github adaptiert wurde (GitHub Pages).

Man kann Beiträge und Seiten wahlweise in Markdown oder in HTML verfassen und zusammen mit Liquid Markup, einer Skriptsprache, die eigentlich alles Nötige automatiserbar macht generiert man dann eine statische Webseite.

Nach einer kleinen Einarbeitungszeit war ich in der Lage, diese Seite hier aufzubauen.

EDIT: Nach einer etwas längeren Einarbeitungszeit stehen jetzt endlich ein paar weitergehende Features bereit.

(Screenshot)

Dies sind:

Ich bin entzückt und hoffe, es gefällt.

wordpress2jekyll

Jetzt galt es nur noch, alte Artikel zu konvertieren, damit diese nicht verloren gingen. Ich bin mit Hilfe des Wordpress Plugins wordpress-jekyll nach Dieser Anleitung vorgegangen. Das Plugin generiert eine Verzeichnisstruktur mit allen in Posts (und Drafts) verwendeten Bildern und Dateien sowie Markdowndateien der Beiträge. Hiermit war es recht einfach die “Vergangenheit” zu sichern und somit diese Seite auf die Beine zu stellen.


Ein soziokulturelles Zentrum für Duisburg

1. November 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 2 - 3 min.

duisburg gedanken kultur politik soziokultur urbanes

Oberhausen hat es, Essen hat es, Bochum hat es auch und Düsseldorf sowieso. Aber Duisburg? Leider nicht.

Seit Jahren setzen sich die Akteur*innen der Initiative „Du erhält(st) Kultur“ mit unerschöpflicher Energie ehrenamtlich für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg ein, einem Ort, an dem Menschen selbstverwaltet eine leicht zugängliche Möglichkeit erhalten, kulturelle Projekte ins Leben zu rufen, an solchen teilzunehmen, oder sich zu vernetzen. Kurzum: Es geht um kulturelle Teilhabe für alle.

Wir GRÜNE sind seit langer Zeit dabei und begleiten das Projekt politisch, denn eines ist klar: in unserer Stadt, die nicht viel Geld für freie Kultur ausgibt, in der aber großes kulturelles Potenzial steckt brauchen wir Orte, an denen Menschen jeden Alters, jeder Herkunft sowie jedes sozialen und finanziellen Backgrounds einen Anlaufpunkt finden, um kulturell tätig zu werden oder Kultur erleben zu können.

Nachdem der Kulturausschuss die Verwaltung aufgefordert hat, ein Finanzkonzept zu erarbeiten wurde auf allen Seiten gearbeitet. Die Ermöglichungsgruppe rund um das geplante Soziokulturelle Zentrum am Stapeltor hat eifrig finanzielle und inhaltliche Konzepte erarbeitet, mit Architekten Pläne erstellt und mit dem Bauordnungsamt Anträge vorbereitet. Die “Hausaufgaben” wurden also erledigt.

Was noch fehlt ist der Ratsbeschluss zum Startschuss der Erprobungsphase des Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor. Dieser ist frühestens in der Ratssitzung am 25.11.2019 zu erwarten. Geplant ist dann, im nächsten Jahr mit den Umbauarbeiten zu beginnen und schließlich im April 2020 zu eröffnen.

Wir GRÜNE stehen voll hinter dem Projekt und werden die Ermöglichungsgruppe weiterhin unterstützen wo immer wir können. Auf einen baldigen Start!


Duisburg ist noch kein sicherer Hafen - Gegen den Vorwurf der Symbolpolitik

17. Juli 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 4 - 5 min.

duisburg gedanken politik

Am Samstag, den 06.07.2019 rief das internationale Bündnis Seebrücke auch in Duisburg am Lifesaverbrunnen den „menschlichen Notstand“ aus. Europas Grenze zu Afrika im Mittelmeer ist die tödlichste Außengrenze der Welt. Die Politik der Mitgliedsstaaten versagt komplett und schafft es nicht, eine europäische solidarische Lösung zur Verteilung von Geretteten zu etablieren.

Obwohl es in Deutschland 73 Städte gibt, die für sich beschlossen haben, dass sie Gerettete aus dem Mittelmeer freiwillig aufnehmen wollen, handelt die Deutsche Bundesregierung sehr zögerlich und besteht immer wieder darauf, dass zunächst eine gesamteuropäische Verteilungslösung gefunden werden muss. Eine solche durchaus anzustrebende Lösung ist jedoch bislang nicht in Sichtweite, da einzelne Länder hier komplett blockieren.

Solange wird halt weiter gestorben. Eine Europäische Seenotrettungsmission exisitiert nicht mehr und eine ausgedünnte (weil kriminalisierte) private Seenotrettung ist die Einzige, die de facto stattfindet. Europa schaut blockiert zu, wie seine Werte im Mittelmeer versinken.

Und nun zu Duisburg. Duisburg gehört NICHT zu den oben genannten Städten, die sich bereit erklärt haben, freiwillig Gerettete aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Der Rat der Stadt lehnte eine gemeinsame Beschlussvorlage von der linken und der grünen Ratsfraktion ab.

Ich selbst bin bei Seebrücke Duisburg von Anfang an aktiv dabei. Mir liegt sehr viel daran, dass das Sterben im Mittelmeer endlich beendet wird. Wenn die nationalstaatliche Politik der Mitgliedsstaaten jeden Tag aufs Neue beweist, dass sie nicht in der Lage ist, das Problem zu lösen, ist es wichtig, politischen Druck auf allen Ebenen zu erzeugen, auch auf Kommunaler. Auch dann, wenn - dies ist mir durchaus bewusst - der Rat der Stadt kein politisches Mandat für die Außenpolitik der EU hat.

Im Zuge der Europawahlen haben die Aktivistinnen von Seebrücke Duisburg versucht zu ermitteln, warum die Beschlussvorlage zum „sicheren Hafen Duisburg“ im Rat von der Mehrheit abgelehnt - ja nichtmals diskutiert worden war. Als Begründung wurde von CDU- und SPD-Vertreterinnen vorgetragen, dass man in Duisburg keine Symbolpolitik machen wolle.

Gleichwohl setzt sich die SPD mindestens seit dem Europawahlkampf für eine Unterstützung privater Seenotrettung ein. Außenminister Maas setzte sich jüngst für eine „Koalition der Hilfsbereiten“ ein, in dem Deutschland ein festes Kontingent an Geretteten übernehmen solle. Wenn auch dies alleine die Lage am Mittelmeer nicht lösen wird, so ist doch dieser Schritt zunächst einmal zu begrüßen.

Doch ist er ernst gemeint? Wenn man private Seenotrettung wirklich unterstützen möchte, so muss man sich auch Gedanken machen, was anschließend mit den Geretteten passiert. Wie es derzeitig läuft, wissen wir ja.

Wenn die Unterstützung der SPD ernst gemeint ist, warum kann sich die SPD in Duisburg bislang nicht dazu entschließen, ein Zeichen in unserer Stadt zu setzen und sie zu einem sicheren Hafen machen? Es wäre ein all zu nötiges Zeichen. Auf der anderen Seite bekommen wir immer mehr mit, das SPD Politikerinnen, die auch als Mandatsträgerinnen für Duisburg in Parlamenten sitzen sich mit uns solidarisieren und unsere Veranstaltungen besuchen. Das ist ein gutes Zeichen. Immer mehr Städte rund um Duisburg werden sichere Häfen, darunter Köln, Dortmund, Bochum, Düsseldorf und Krefeld. Lasst uns doch endlich diese Stadt gemeinsam zu einem sicheren Hafen machen! Wir von Seebrücke Duisburg freuen uns über jeden offenen Dialog.

Foto: Seebrücke Deutschland


Aufbruch Fahrrad

6. August 2018 - Christian Saris - Lesezeit: 4 - 5 min.

gedanken politik verkehr

Gestern fuhr ich mit dem Fahrrad von Arnheim nach Duisburg. Von den insgesamt 124 Kilometern verliefen 73 in den Niederlanden und der Rest in Deutschland. Die ersten 73 km waren ein Traum, die Weiteren haben mich zum Nachdenken angeregt, denn mit dem Überschreiten der niederländisch-deutschen Grenze änderten sich die Bedingungen drastisch.

Niederlande: Die ersten 17 Kilometer zwischen Arnheim und Nijmwegen verliefen auf einem Radschnellweg, dem RijnWaalpad: Ein etwa 3-4 Meter breiter Streifen für Fahrräder, der zwei Fahrspuren hat und losgelöst vom Autoverkehr verläuft. Der Radschnellweg ist vorfahrtberechtigt und an den wenigen Kreuzungen mit anderen Straßen wurde bei Planung darauf geachtet, dass diese stets gut einsehbar sind. Auch wenn man sportlicher unterwegs ist, sieht man schon von Weitem sich nähernde Autos und kann auf die Situation angemessen reagieren. Andersherum sehen auch Autos von Weitem, dass sich Fahrräder nähern. So ist wirklich ein zügiges und entspanntes Radeln bei nahezu konstanter und auch hoher Geschwindigkeit möglich. Zu keinem Zeitpunkt fühlt man sich hier unsicher. Aber auch der weitere Verlauf, der mich am Leukermeer und Venlo vorbeiführte war stets dadurch gekennzeichnet, dass die Bedingungen für Radler*innen nahezu perfekt waren. Wenn es keinen Radschnellweg gab, so gab es doch immer gut ausgebaute Fahrradwege in beide Fahrtrichtungen… und das fast ohne Bodenwellen. Toll: Grüne Welle bei Fahrradampeln oder aber Taster, die ohne Verrenkung erreichbar sind und gefühlt sofort auf grün schalten. Die Bordsteinabsenkungen waren in einer Art realisiert, die sie beim Überfahren kaum spürbar machten. Die Konsequenz war verblüffend:

Alle Fahrrafahrerinnen fuhren auf dem Fahrradweg, inklusive Rennradfahrerinnen, und das völlig stressfrei.

In Deutschland ist dies eher die Ausnahme als die Regel.

Unterwachsende Wurzeln, Bodenwellen, nervige, den Verkehrsfluss verlangsamende Bordsteinabsenkungen, Radampeln, die nur nach Knopfdruck für den Radverkehr auf Grün schalten, während in gleiche Richtung fahrende Autos Grün haben, fragwürdige Fahrradschutzstreifen, die dicht an parkenden Autos verlaufend eher Gefahrenquelle als sicherheitsfördernd sind… alles das macht wirklich keinen Spaß und veranlassen vor allem Rennradfahrer*innen - aber auch mich - den Fahrradweg nicht zu benutzen. Wer schon einmal sportlich unterwegs war, weiß genau wie sehr es einen durchrüttelt, wie sehr es weh tut und wie gefährlich es ist, wenn Bodenwellen überfahren werden müssen. Ein zügiges Fahren bei konstanter Geschwindigkeit ist in der Regel auch nicht möglich, insbesondere in urbanen Räumen.

Wenn das Fahrrad - insbesondere in urbanen - Räumen als ein Fortbewegungsmittel der Zukunft angesehen wird, so sollte sich das planungspolitische Verständnis und auch die politische Sichtweise auf den Ausbau der Fahrradinfrastruktur grundlegend ändern. Ein Blick in die Niederlande lohnt in jedem Fall. AufbruchFahrrad ist eine Volksinitiative, die versucht, in NRW diese politische Sichtweise zu ändern. Unterstützt bitte diese Initiative durch Eure Unterschrift! Wenn ihr unterschreiben wollt, könnt ihr dies, indem ihr Euch einen Bogen ausdruckt und unterschreibt. Näheres zur Initiative auf der Seite des Bündnisses:

https://www.aufbruch-fahrrad.de oder auf der Facebookseite (AufbruchFahrrad)


Gasometer

10. April 2018 - Christian Saris - Lesezeit: 1 min.


Nein zum Designer Outlet Center in Duisburg - Ja zu einer nachhaltigen Stadtplanung!

14. April 2017 - Christian Saris - Lesezeit: 3 - 4 min.

gedanken politik

Das geplante Duisburger Outlet Center ist eine Gefahr für die Vitalität der Duisburger Innenstadt. Bitte unterstützt das Bürgerbegehren, das sich für eine nachhaltige Stadtplanung auf dem Gebiet der Duisburger Freiheit ausspricht und sich gegen die Errichtung des DOCs und die damit verbundene Verödung der Innenstadt richtet!

Benötigt wird zunächst Deine Unterschrift auf einer Liste und wenn wir genügend Unterschriften gesammelt haben Deine Wahlbeteiligung beim darauf folgenden Bürgerentscheid.

Hier gibt es die Unterschriftenliste als Download.

Auf dem Gebiet des alten Güterbahnhofes in Duisburg soll ein Designer Outlet Center entstehen, so hat es die CDU- und SPD- Mehrheit im Rat der Stadt am 01.02.2017 in einem Grundsatzbeschluss festgelegt. Wenn dieses Projekt umgesetzt wird, besteht die Gefahr, dass die Duisburger Innenstadt, die sich in den letzten Jahren zu einem ansehnlichen, lebendigen Stadtzentrum entwickelt hat veröden wird. Gewerbetreibende fürchten um ihre Kundschaft, Einkaufszentren haben seit dem Beschluss Probleme, neue Mieter zu finden, Fachleute schlagen Alarm.

Die Befürworter des DOCs heben immer wieder die Arbeitsplätze hervor, die durch so ein Vorhaben erschaffen werden. Schaut man sich andere DOCs an, so stellt man sehr leicht fest, dass diese Arbeitsplätze zwar entstehen, jedoch zu einem wesentlich intensiveren Arbeitsplatzabbau im Umfeld führen. DOCs gelten oft als personalextensiv, das heisst dass weniger Vollzeitstellen mit langfristigen Arbeitsverträgen entstehen, sondern kurzfristige, nicht ausgebildete Teilzeitkräfte gebunden werden.

Jede Form einer modernen nachhaltigen Stadtentwicklungspolitik ignorierend wurde für das Gebiet der Duisburger Freiheit ohne Mitsprache von anderen Interessenträgern oder der Öffentlichkeit beschlossen, dass man hier das DOC errichten möchte.

Bei jeder normalen Planung entscheidet zunächst die Kommune welche Art der Nutzung und Bebauung für eine Fläche innerhalb der Stadt vorgesehen ist und sucht anschließend nach Investoren.

In Duisburg ist das genau andersherum. Man hat einen Investor und dieser diktiert der Verwaltung, welche Art der Nutzung er für dieses Areal vorsieht. Helft mit, dass dieser dilettantische Ansatz von “Stadtentwicklung” durch eine moderne, nachhaltige Stadtplanungspolitik ersetzt wird und an der Duisburger Freiheit ein vitaler, lebenswerter Stadtteil entsteht, indem Ihr das Bürgerbegehren durch Eure Unterschrift unterstützt und im darauf folgenden Bürgerentscheid für Duisburg abstimmt!

Unterschriftenlisten könnt Ihr online abrufen und unterschrieben an die Sammelstellen zurückbringen oder Ihr unterschreibt einfach vor Ort. Nähere Informationen zum Bürgerbegehren gibt es auf der Seite http://jazuduisburg.de!

Ich danke Euch für Eure Hilfe!


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