Frau, Leben, Freiheit - Aufruf zur Demo in Duisburg am 12.11.22 um 16 Uhr

5. November 2022 - Christian Saris - Lesezeit: 1 - 2 min.

demo gedanken iran politics

Solidarität mit den Protestierenden im Iran! Kommt zur Demo am 12.11.22 um 16 Uhr vor das Stadttheater in Duisburg! Wir wollen den mutigen Menschen im Iran hier eine Stimme geben.

Seit Jahrzehnten unterdrückt das Regime der Islamischen Republik die Frauen im Iran. Der Mord an Zhina (Mahsa) Amini war einer der zahllosen staatlichen Morde in der dunklen Geschichte der Islamischen Republik, die sich gegen Frauen, nicht-binäre, queere und transgeschlechtliche Menschen richteten. Die feministischen Revolutionist*innen von Kurdistan bis Teheran stehen seit Wochen für ihre Rechte auf den Straßen und fordern Gerechtigkeit.

Zan, Zendegi, Azadi!

Jin, Jiyan, Azadî!

Frau, Leben, Freiheit!


Utopie, Radikalität und Kompromisse

19. Oktober 2022 - Christian Saris - Lesezeit: 5 min.

gedanken gruene politics

Es ist 2022. Die Grünen sind nun in mehreren Bundesländern in der Regierungsverantwortung, so auch in NRW. Die Ampel regiert auf Bundesebene. In den Wahlkämpfen haben wir Grüne uns ganz klar als eine Partei erwiesen, der gerade in Sachen Klima- und Umweltschutz viel zugetraut wird. Wir wurden von Menschen gewählt, die uns bis dato noch nicht gewählt hatten.

Die Grünen waren und sind eine Bündnispartei. Das heißt, dass sich viele von uns neben der Parteiarbeit auch - teilweise sogar hauptsächlich - in politischen Bündnissen und Vereinen engagieren. Ob das nun NABU ist, Fridays For Future, Seebrücke oder andere.

Mit einer Regierungsverantwortung kommen bisweilen unangenehme Entscheidungen auf die Partei zu. Ganz klar, dass grüne Politik in einer Koalition mit der CDU schwer übereinzubringen ist. Wenn man aber die Möglichkeit hat, wesentliche Punkte seiner Agenda in einer doch so ungeliebten Koalition durchzusetzen, dann heißt es manchmal: Kompromisse eingehen, auch wenn es dann „Kröten schlucken“ bedeutet.

Genau das mussten die Grünen in NRW aber auch auf Bundesebene tun. Durch den russischen Angriffskrieg kamen eine Menge an unvorhersehbaren Problemen mit unangenehmen Entscheidungen hinzu. Ob nun das Sondervermögen der Bundeswehr im Bund oder die Entscheidungen um Lützerath und den Streckbetrieb der Atomkraftwerke. Es sind bittere Pillen, die geschluckt wurden, jedoch immer auch im Gegenzug politische Gestaltung und Verwirklichung eigener politischer Ziele.

Es ist mehr als verständlich, dass Menschen, die die Grünen gewählt haben - so auch ich - mit der ein oder anderen Entscheidung nicht zufrieden sind. Es ist auch natürlich nachvollziehbar, dass man sich über diese Entscheidungen ärgert. In sozialen Medien wird alles natürlich ganz besonders hoch gekocht. Dort werden unter dem Deckmantel der Anonymität die hitzigsten Tiraden abgelassen. Wie gesagt, ich verstehe die Enttäuschungen.

Wenn man aber liest, wie sich dort Leute dafür einsetzen, Mitglieder der Grünen nun aus Bündnissen wie FFF auszuschließen, merkt man, welch „lupenreine Demokrat*innen“ da unterwegs sind.

Wenn ich so etwas lese, frage ich mich, wie viele der lauten Polterer gegen die Grünen in ihrem persönlichen politischen Handeln jemals Kompromisse eingegangen sind.

Ich habe den Eindruck, dass Utopismus und Radikalität, die in bestimmten politischen Prozessen durchaus wichtig und notwendig sind, in manchen Kreisen dermaßen zu einer Tugend idealisiert werden, dass sie gleichsam zum einzigen Abwägungsprinzip im politischen Denken und Handeln werden.

Kann man natürlich so machen. Die Strategie, im eigenen Wirkungskreis Ideale radikal und utopistisch durchzusetzen und diesen Kreis möglichst weit auszudehnen, kann effektiv und nachhaltig Verhältnisse ändern. Man darf lediglich nicht vergessen, dass es auch noch eine Welt außerhalb dieses Wirkungskreises gibt, zu dem man in einer demokratischen Gesellschaft verpflichtet ist, anschlussfähig zu bleiben. Und dazu braucht man Kompromisse.

Wenn man die nicht eingeht, werden die ethischen roten, nicht zu überscheitenden Linien so immer enger um den eigenen Wertekodex gesetzt.

Mein Eindruck ist, dass immer mehr Menschen aus diesen utopistischen Kreisen keine Kompromisse mehr verstehen und auch nicht mehr verstehen wollen. Ihre roten Linien umschreiben einen Kreis, der nur ihren eigenen Wertekodex umspannt.

Das alleine finde ich schon eine besorgniserregende Entwicklung. Leute hingegen ausschließen zu wollen, die Kompromisse eingehen oder einer Partei angehören, die Kompromisse eingeht… eine Person, die so etwas fordert, zeigt, dass es ihr nicht um konstruktives politisches Handeln im Rahmen demokratischer Prozesse geht, sondern um Selbstprofilierung und pubertären Distinktionsquatsch, der ganz klar mit Demokratie nichts gemein hat.


Koalitionsvertrag von SPD, GRÜNEN und FDP

28. November 2021 - Christian Saris - Lesezeit: 4 min.

gruene politik thoughts

Urabstimmung zum Koalitionsvertrag

Nach reiflicher Abwägung inhaltlicher Stärken und Schwächen des Koalitionsvertrages und unter Beachtung der Tatsache, dass manche Passagen konkret, andere abstrakt geschrieben sind, kann ich aus rein inhaltlicher Sicht bei der Urabstimmung dem Koalitionsvertrag nicht zustimmen.

Mit den vorliegenden Beschreibungen im Vertrag zu behaupten, Hartz 4 werde abgeschafft ist nicht richtig. Zwar werden wesentliche Missstände korrigiert, aber solange der Regelsatz nicht angehoben wird und die Sanktionen nicht endgültig wegfallen, ist und bleibt das Wesen von Hartz 4 erhalten. Wir GRÜNEN sind angetreten, um die Fehler aus der rot-grünen Agenda 2010 wieder gut zu machen. Hierzu ist das, was über das Bürgergeld bekannt ist nicht in der Lage.

Beim Thema Flucht und Asyl gibt es zwar erhebliche Verbesserungen im Punkt Familiennachzug. Es fallen Arbeitsverbote weg und Bleiberechtsfragen werden vereinfacht. Man spricht aber von einer Rückkehroffensive und Kooperationen mit Drittstaaten. Insbesondere wird beabsichtigt, dass geprüft werden soll, ob die Feststellung des Schutzstatus von Flüchtenden in Drittstaaten möglich ist. Dies auf Staaten zu überantworten, die dem Europäischen Recht nicht unterworfen sind ist für mich eine Absage an wesentliche Europäische Werte.

Bis auf die sehr zu begrüßende Ankündigung, dass Minderjährige fortan von der Abschiebehaft ausgeschlossen würden, enthält der Vertrag keine Ideen, wie man die Ungerechtigkeiten bei Abschiebungen beseitigen oder vermindern könnte.

Das sicherlich aus FDP-Feder kommende Bekenntnis, die Steuern nicht zu erhöhen, lässt in mir die Fragen hochkommen, wie denn die gewaltigen Änderungen (zB in puncto Klimaschutz) finanziell zu stemmen sind.

Im Ressort Verkehr hat die FDP sich genauso wie im Bereich Steuern durchsetzen können. Eine Mobilitätswende ist mit einem FDP-geleiteten Ministerium nicht möglich. Dass dieser Partei es auch wichtig ist, diese Wende zu verhindern, zeigen die neuerlichen Äußerungen von Hr. Wissing, dem zur Debatte stehenden Verkehrsminister, der sich als Anwalt der Autofahrer sieht.

Ich habe bei der Lektüre des Koalitionsvertrages nicht erwartet, dass es ein Papier wird, das voller GRÜNEN Ideen strotzt. Doch das, was dort vereinbart werden soll spricht trotz zahlreicher toller Ideen gegen wesentliche Werte, die ich als essentielle Positionen unserer Partei sehe. Sie aufzugeben können wir uns nicht leisten.

Inhaltlich kann ich dem Vertrag also nicht zustimmen. Die einzige Überlegung, die mich noch plagt ist, zu überlegen, aus strategischen Gründen doch zuzustimmen. Was passiert, wenn die AmpelRegierung nicht zustande kommt? Neuwahlen in Zeiten, in der eine funktionierende Regierung dringend benötigt wird, sind auch nur schwer zu ertragen.

Es beibt also eine schwierige Entscheidung.


Der Marathon Pater - 60.000 km gegen die Armut

29. Mai 2021 - Christian Saris - Lesezeit: 3 min.

buch running sport

Ich habe das neue Buch vom Duisburger Pater Tobias (Breer) „Der Marathon Pater - 60.000 km gegen die Armut“ gelesen. Pater Tobias bestreitet Ultraläufe und sammelt damit auf beeindruckende Weise Gelder für die von ihm ins Leben gerufenen wohltätige Projekte… Projekte, die für Duisburg ungemein wichtig sind.

Im Buch beschreibt er, in sehr kurzweiliger Form seine Lebensgeschichte, wie er Pater geworden ist, wie es ist, in Neumühl, einem von Armut gebeutelten Stadtteil, Seelsorger zu sein und berichtet von zahlreichen Spendenläufen, seiner Motivation und seinen Tricks.

Ich bin politisch aktiv, begeisterter Läufer, keine „Leseratte“ und weder gläubig noch religiös.

Der Läufer in mir hätte gerne mehr über die sportliche Geschichte (Positives wie Negatives), die Gedanken zum und beim Training erfahren. Der Atheist in mir tat sich zunächst schwer, bei all den formulierten Gedanken zu Jesus und Gott, die natürlich erwartbar sind, wenn der Autor ein Pater ist.

Dennoch habe ich ein aufschlussreiches Bild davon bekommen, wie Gebete für Pater Tobias funktionieren und dass ich - auch wenn ich das nicht gerne zugebe - durchaus ähnliche Mechanismen bei mir entdecke, wenn ich bei einem langen Lauf unterwegs bin. Darüber habe ich nach der Lektüre viel nachgedacht.

Der politisch Aktive in mir hat viel über Pater Tobias Motivation, seine Strategie, Gutes zu tun, eben „einfach“ anzupacken. Es war interessant zu erfahren, wie es funktionieren kann, Geld für gute Zwecke - u.a. durch Läufe - zu organisieren. Was mir ganz besonders gefallen hat, war sein Optimismus und - darüber habe ich in Folge viel selbstreflektierend nachgedacht - seine Barmherzigkeit.

Eingangs erwähnt, bin ich keine Leseratte, las das Buch mit seinen 192 Seiten in einem Rutsch durch. Es ist sehr abwechslungsreich geschrieben, verliert sich nicht in Details und hat mich zumindest in mehreren Aspekten zum Denken angeregt. Eine klare Empfehlung.

https://www.pater-tobias.de/pater-tobias/buchbestellung


Sport ist Mord?

12. Mai 2021 - Christian Saris - Lesezeit: 10 - 12 min.

fahrrad laufen sport

Tldr; Ein langer Text. Die Kurzfassung: Wie man trotz Arthritis Sport machen kann und somit dafür sorgt, dass einen die Krankheit nicht so ausbootet wie sie das könnte. Oder aber: Wie man Sport mögen kann.

Sport ist Mord! - Das habe ich jahrelang gedacht und auch gelebt. In der Schule war ich in Sport oft einer derjenigen, die als letztes in die Teams gewählt wurden. Ich war nie sonderlich sportlich, hatte eine schlechte Körperbeherrschung aber hatte auch nie so richtig die Notwendigkeit gespürt, Sport zu treiben.

Untergewicht begleitete mich durch meine Jugend, und das bis zum Ende meines Studiums hin. Dann änderte sich viel. Bürojob und das Ende Studentenlebens im finanziellen Notstand“_ führten dazu, dass ich mich immer weniger bewegte, mehr aß, mehr Pfunde auf die Waage brachte und schließlich mit Anfang 30 - etwas übergewichtig - erste richtig unangenehme orthopädische Probleme bekam.

Ich hatte neben Rückenschmerzen auch Schmerzen in Zeh- und Fußgelenken. Letztere wurden immer stärker und es kam zum ersten Ausfall, bei dem ich es vor Schmerzen nicht mehr geschafft habe, die Wohnung zu verlassen. Ein durchaus einschneidender Moment meines Lebens, denn ich lernte in Folge, dass Schmerzen nahezu 100% der Gedanken einnehmen können, die man am Tag so hat. Nach etlichen Arztbesuchen wurde mir klar: Ich litt an Arthritis, einer in Schmerzschüben erscheinender rheumatischen Autoimmunerkrankung.

Ängste, dass das nicht besser werden wird, dass man nicht mehr arbeiten kann, dass man all die schönen Sachen im Leben nicht mehr machen kann… all das schwirrte mir immer wieder im Kopf umher. Eine Erfahrung, die nicht sonderlich schön ist, aber die ich hier auch nicht weiter ausbreiten möchte. Das gab mir ziemlich zu denken und ich verstand auf einmal viel genauer, wie wahr und wichtig die Worte waren, die mir dereinst als Kind die alte Großtante immer wieder zu sagen pflegte: “Das Wichtigste ist, dass Du gesund bist.”

Man könnte auch Sport treiben…

Zurück zur Geschichte: Ich las, dass Bewegung und Ausdauersport bei Arthritis die Wahrscheinlichkeit der Schübe reduziert. Nun, wenn man gerade mit Schmerzmitteln vollgepumpt auf der Couch sitzt und sich jeden Schritt sehr genau überlegt, weil trotzdem jede Bewegung weh tut, erscheint der Gedanke, Ausdauersport zu treiben geradezu absurd weit weg.

Dennoch: Die Krankheit verläuft in Schüben. Und zwischen den Schüben versuchte ich, eine Runde Jogging in meinen wöchentlichen Rhythmus zu integrieren. Ich legte mir ein Fitnessarmband zu, um einen Überblick über meine täglichen Bewegungsgewohnheiten zu erlangen und auch um die Läufe zu dokumentieren. Statistiken - das wusste ich - motivieren mich grundsätzlich. So auch beim Laufen, denn somit wurde der Wettlauf gegen sich selbst möglich. Die Feststellung, dass man dieselbe Strecke von vorgestern nun 10 Sekunden schneller geschafft hat, motivierte mich durchaus.

Die Lauferei war jedoch sehr mühsam und ich merkte schnell, dass es die Zehengelenke auch zwischen den Schüben stark beanspruchte. Der nächste Schub ließ dann nicht lange auf sich warten. Keine Lösung auf Dauer.

Ein Rad änderte dann alles…

Irgendwann legte ich mir ein neues Fahrrad zu, da ich probieren wollte, ob Fahrradfahren eher etwas für mich ist. Auch hier hatte ich Bedenken, denn ich erwartete eine Verschlimmerung meiner RÜckenprobleme, die sicherlich auch mit dem Übergewicht zu tun hatten.

Aber siehe da: Fahradzufahren ging recht gut. Da die Bewegungsabläufe beim Fahrradfahren wesentlich gelenkschonender waren, waren diese zwischen den Schüben weniger gereizt.

Meine Fahrradtouren waren zunächst 20-30 km Runden, aber schon recht bald wurden mehr daraus, meine wöchentlichen Standardtouren waren bald 40 und nach ein paar Monaten sogar 80km lang.

Die Abbildung zeigt meine damalige Standardtour, die ich beharrlich wiederholte.

Ich schaute, dass ich im Sommer alle zwei bis drei Tage eine Tour machte. Das kostete Disziplin, ich merkte jedoch, dass es mir gut tat. Eine weitere Umstellung brachte der zeitliche Aufwand mit sich, den man nun mal hat, wenn man 80 km lang auf dem Sattel sitzt. Wöchentlich neun bis zehn Stunden Sport in den Alltag zu integrieren setzt schon einen Wandel in der Freizeitgestaltung voraus. Ich bin sehr froh, dass meine Frau Parisa den Nutzen dieser Aktivitäten für mich gesehen hat. Sie ging sehr umkompliziert damit um, dass ich einen beträchtlichen Teil meiner Freizeit nun ohne sie verbrachte, denn Radfahren ist nicht ihrs - aber das ist eine andere Geschichte.

Schwierig waren indes die Wintermonate. Radeln im Winter, bei Dunkelheit, Nässe und Kälte sind kein Spaß und bisweilen gefährlich. Versuche, in der Winterpause moderat mit dem Laufen wieder zu beginnen schlugen aufgrund der Arthritis leider wieder fehl.

Motivation

Doch der nächste Sommer brachte mich vorwärts. Ich nahm mir - sozusagen als Jahresprojekt - vor, den Ruhrtalweg mit dem Rad zu fahren. Die Strecke verläuft von Winterberg im Sauerland bis nach Duisburg über einen 240 km langen Radweg. Mein Ziel war es, morgens in Winterberg loszufahren und vor Sonnenuntergang in Duisburg anzukommen.

Der Gedanke, diese unglaublich lange Strecke an einem Tag zu fahren hat mich unglaublich motiviert. Ich erhöhte mein Trainingspensum und wurde fitter. Im August 2018 war es dann soweit. Mit dem Zug nach Winterberg, dort übernachten und am nächsten Tag ging es los. Es war eine harte Tour, aber ein so tolles Erlebnis, abends am Rheinorange nach über 10 Stunden Fahrzeit anzukommen. Das werde ich so schnell nicht vergessen.

Schleichender Erfolg

Innerhalb dieser Saison habe ich sieben Kilo an Körpergewicht verloren. Die Schübe traten immer seltener auf und wurden auch schwächer.

Der Winter folgte und - siehe da - ein leichtes Lauftraining funktionierte auf einmal ohne nennenswerte Beschwerden. Ich lief zunächst 5km, immer wieder in gefühlter Zeitlupe. Das ging recht gut. Dann waren es 10km, langsam aber immer wieder. Dem Drang, die Leistung zu steigern konnte ich nicht widerstehen. Bei meinem ersten 15km - Lauf merkte ich, dass dies nun wieder zu viel des Guten war. Ein neuer Schub bremste meine Begeisterung.

Aber ich blieb dran. 5km-Läufe, 10km-Läufe, wenn es das Winterwetter zuließ mal eine Radtour, auch gerne mal mit höherer Geschwindigkeit. So schaffte ich es mit viel Bewegung aber ohne Arthritisschub durch den Winter. Für mich ein toller Erfolg!

Weniger Gewicht - mehr Laufen - keine Probleme

Bei den Radtouren merkte ich immer mehr, dass mich hohe Geschwindigkeiten reizten. In der Saison 2019 schließlich legte ich mir ein Rennrad zu. Zudem funktionierte es recht gut, begleitend im Sommer zu laufen und im See schwimmen zu gehen. Einen Arthritisschub habe ich seitdem - toi toi toi - nicht mehr gehabt. Ich hoffe sehr, dass dies auch so bleibt.

Mittlerweile - es ist 2021 - laufe ich mehr als ich mit dem Fahrrad fahre. Ich habe meinen Spaß in Laufveranstaltungen gefunden, die im Moment leider durch Covid 19 nicht stattfinden können. Rennradfahren macht mir mindestens genausoviel Spaß, aber was das Laufen angeht, habe ich eine nächste große Motivation gefunden, die mich dranhält: Ich habe mich für einen Marathon angemeldet, ein Vorhaben, das ich vor zwei bis drei Jahren nichtmals ansatzweise für schaffbar gehalten habe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit

Das Fazit für mich: Es ist unglaublich schwer, mit Schmerzen den inneren Schweinehund zu überwinden. Aber für mich war das beste Rezept gegen Arthritis: Schmerzmittel nehmen bis die Schmerzen zurückgehen und langsam, beherzt und beharrlich nicht zu fordernd Bewegung ins Leben zu bringen. Über Gewichtsreduktion konnte ich nach und nach immer andere Sportarten treiben und somit auch langfristig die Motivation hochhalten. Mittlerweile ist aber das Ausbleiben der unvorstellbaren Schmerzen die größte Motivation, denn man kann sich nicht vorstellen, wie alles beherrschend sie sein können. Ich bleibe also dran!


Duisburg ist ein Sicherer Hafen

20. April 2021 - Christian Saris - Lesezeit: 4 min.

duisburg politik thoughts

Seit 2018 gibt es Seebrücke Duisburg - eine lokale Gruppe der mittlerweile euopaweit agierenden Seebrücke-Bewegung. Ich war damals bei der Gründung beteiligt und bin schon etwas stolz auf die Arbeit dieses politischen Bündnisses. Überparteilich haben sich dort beharrlich Menschen getroffen, die sich dafür einsetzen, dass Duisburg ein sicherer Hafen werden soll, ein sicherer Hafen im Sinne von Seebrücke.

In der letzten Wahlperiode noch haben CDU und SPD den Antrag, den die damaligen Fraktionen der GRÜNEN und der Linken in den Rat eingebracht haben als Symbolpolitik abgelehnt.

Mittlerweile bin ich selbst Mitglied der GRÜNEN Ratsfraktion und ich war sehr erfreut, den Sinneswandel bei SPD und CDU vernehmen zu können. Gestern wurde ein gemeinsamer Antrag von GRÜNEN, SPD, Linke und CDU mit Enthaltung von FDP und Junges Duisburg angenommen. Duisburg ist nun ein sicherer Hafen. In meinem Wortbeitrag habe ich den Ratsmitgliedern und auch dem Oberbürgermeister erklärt, was wir nun von der Stadt erwarten. Denn eines ist klar: das ist ein Bekenntnis, dem Taten folgen müssen.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Demokrat:innen,

an den Außengrenzen der EU passiert tagtäglich eine humanitäre Katastrophe. In den europäischen Flüchtlingslagern in der Region zudem noch eine Rechtsstaatliche.

Aufgrund der Uneinigkeit der EU-Mitgliedsstaaten in der Außen- und Sicherheitspolitik deutet sich auch nach Jahren in der Sache keine Lösung an. Seit 2015 sind über 4000 Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Hunger und Elend im Mittelmeer ums Leben gekommen.

Dabei ist es sehr einfach: Wer in Seenot ist, der wird gerettet. Punkt. Die EU jedoch hat ihre Seenotrettungsmission eingestellt. Schlimmer noch ist, dass sie Menschen kriminalisiert, die dieser Pflicht nachkommen und durch die unhaltbaren Zustände in den Lagern auf Europäischem Boden der Eindruck entsteht, man wolle Schutzsuchende vergrämen.

Hier soll Duisburg als Kommune ein Zeichen setzen und sich mit den Menschen auf der Flucht solidarisieren. Duisburg soll - wie über 240 anderer Kommunen - ein sicherer Hafen werden. Doch was heißt das?

Wir wollen, dass sich Duisburg, dass auch Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister sich dafür stark machen,

  • dass Seenotrettung nicht kriminalisiert werden darf,
  • dass eine Europäische Seenotrettungsmission ins Leben gerufen werden muss und
  • dass wir sichere Fluchtwege benötigen.

Ein sicherer Hafen heißt auch, dass unsere Stadt sich bereit erklärt, auch über den Königssteiner Schlüssel herausgehend, Schutzsuchende aufzunehmen.

Lassen Sie uns heute dieses Zeichen setzen und damit zeigen, dass wir in Duisburg weltoffen und solidarisch mit Menschen auf der Flucht sind.

Das sage ich als GRÜNES Ratsmitglied und auch als Gründungsmitglied der Seebrücke Duisburg, die sich seit 2017 dafür stark macht.

Wir haben Platz.

Ich bitte um Unterstützung für unseren Antrag.


Ich kandidiere

10. Juni 2020 - Christian Saris - Lesezeit: 5 - 6 min.

duisburg gedanken gruene politik

Liebe Freund*innen,

mein Name ist Christian Saris. Ich bin 43 Jahre alt, verheiratet, Softwareentwickler, Geograf und seit 2017 Mitglied bei den GRÜNEN. Ich bewerbe mich um Platz 8 der Ratsreserveliste der GRÜNEN Duisburg für den Rat der Stadt.

Ich mag nicht meckern, sondern anpacken. Ein passives Parteimitglied war ich nie. Kurz nach meinem Parteieintritt 2017 habe ich schon als Vorstandsmitglied des Ortsverbandes Mitte mitgearbeitet. Mittlerweile bin ich nicht nur einer der Sprecher*innen des OVs, vielmehr arbeite ich regelmäßig in Arbeitskreisen der Fraktion mit und bringe durch mein außerparteiliches Engagement auch GRÜNE Belange in politische Bündnisse unserer Stadt ein. Dies sind Bündnisse, die sich gegen Rassismus und Faschismus sowie für Integration, Kultur und zivile Seenotrettung einsetzen.

Die Prozesse rund um die alte Feuerwache, dem interkulturellen Ladenprojekt 47 auf der Münzstraße sowie dem künftigen soziokulturellen Zentrum am Stapeltor habe ich politisch begleitet. Sie haben Kulturpolitik für mich zu einer Herzensangelegenheit gemacht. Im vergangenen Jahr habe ich an vielen Veranstaltungen der Fraktion teilgenommen, denn mir wurde klar, dass mit der nächsten Legislatur die Zeit gekommen ist, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Hier einige meiner politischen Schwerpunkte:

Laut Wahlumfragen haben wir eine noch nie da gewesene Chance, diese Stadt zu verändern und ihr einen leuchtend GRÜNEN Anstrich zu geben. Daher brauchen wir ein gut arbeitendes und kompetentes GRÜNES Fraktionsteam für die nächste Legislatur. Ich möchte sehr gerne Teil dieses Teams sein und es mit meinen Kompetenzen in den Feldern der Kulturpolitik, der Stadtentwickung sowie bei Digitalisierungsprozessen bereichern.

Ich werbe hiermit um Eure Unterstützung.

Wenn ihr Fragen zu mir oder meinen Positionen habt: Kommt gerne auf mich zu!. :-)

Über meine Person

Ich bin 1976 in Viersen geboren und am Niederrhein groß geworden. Nach dem Zivildienst zog ich 2001 nach Duisburg Großenbaum, um an den Unis Duisburg und Bochum Geografie zu studieren. Ich bin Diplom Geograf und habe meine Schwerpunkte in der Ausbildung auf Geoinformatik, Stadtentwicklung, Politikwissenschaft sowie Öffentliches Recht gesetzt.

Meine Brötchen verdiene ich seit jeher mit Softwareentwicklung. Ich habe seit 2009 in Meiderich arbeitend meinen Lebensmittelpunkt im Bezirk Mitte und bin dort fest verankert. Neben der Politik bin ich auch noch leidenschaftlicher Rennradfahrer und Läufer.


Whatsapp & Telegram, begone!

24. Januar 2020 - Christian Saris - Lesezeit: 2 - 3 min.

gedanken nerds' stuff software technologie

Es gibt eine Vielzahl von Messengern. Unterschiedliche Leute nutzen unterschiedliche Messenger aus wiederum unterschiedlichen Gründen. Ob nun WhatsApp, Telegram, Signal, Discord, Jabber, Facebook Messenger, iMessage, Viber, Wire, WeChat oder - insbesondere bei Arbeitsgruppen verbeitet - Slack, Mattermost, Matrix und Rocketchat - alle diese Protokolle oder Technologien benötigen eigene Clients und sorgen für Unmengen an gewollten oder eben auch ungewollten Datenverkehr.

Privat nutze ich eine Vielzahl dieser Dienste. Grundsätzlich gilt: Je mehr Software auf einem Rechner oder Telefon installiert ist desto mehr potenzielle Sicherheitslücken gefährden die Integrität des Systems. Außerdem möchte ich nicht, dass auf diese Weise unnötig viele Daten von mir auf den Servern irgendwelcher Dienstbetreiber landen. Lange Rede kurzer Sinn: Ausmisten ist angesagt!

Wer mich fortan erreichen möchte, tut dies bitte über Signal, SMS oder Mail.

Bei Gruppen, die Rocketchat, Slack oder Mattermost benutzen, werde ich natürlich weiter mit diesen Clients mitarbeiten.

Aber Nachrichten über alle anderen Kanäle werde ich nicht mehr oder nur sehr sporadisch beantworten. Meinen WhatsApp-Account werde ich löschen, ebenso bald auch meinem Telegram-Account (unverschlüsselte Gruppenchats sind nämlich auch nicht so geil). ;-)

Links zum Thema:


'Resource Exhaustion', 36c6@leipzig

5. Januar 2020 - Christian Saris - Lesezeit: 12 - 14 min.

nerds' stuff reisen technologie

Rückblick

Vor 13 Jahren war ich zum ersten und einzigen Mal beim Chaos Communication Congress. Damals - beim 23c3 - war es eine zugleich emanzipatorische aber auch etwas ambivalente Erfahrung, die ich damals im Berliner Kongresscenter sammeln konnte. Emanzipatorisch deshalb, weil sich damals in meinem Umfeld nur wenige Menschen fanden, die eine Diskussion über Tech-Nerd-Themen in Verbindung mit gesellschaftlichen Belangen interessant fanden. Wenn man sich über Dinge wie Hacken - ob nun im technischen oder im sozialen Kontext gemeint - unterhalten hat wurde es ab einem bestimmten Punkt schwierig, sein Umfeld zu überzeugen, dass es lohnt, sich darüber Gedanken zu machen, dass das Technisches immer mehr in das Soziale hineinwirkt. Auf dem Kongress war dies nicht der Fall. Hier war es möglich, 24/7 Gespräche hierüber zu führen, ohne jemanden überzeugen zu müssen oder zu langeweilen. Alle waren dorthin gekommen, um diese Gespräche zu führen, um sich auszutauschen, um gemeinsam Technik und Gesellschaft zu hacken, um anzupacken und zu gestalten und: um gemeinsam Spaß daran zu haben.

Auf der anderen Seite war im Umfeld des Kongresses auch immer ein Millieu des Chauvinismus zu spüren. Stellte man eine Frage, so kam es nicht selten vor, dass von bestimmten Leuten einem vorgeführt wurde, wie schlecht man die Frage gestellt habe und dass dies ja zeige, wie wenig Ahnung man doch habe. Außerdem tat sich der Club sehr schwer tat, politisch eindeutige Aussagen gegen Rechts zu machen, was ich missbilligte.

Things changed a lot

Das alles ist jetzt dreizehn Jahre her und die Dinge haben sich zum Glück stark verändert. Unter dem Motto Resource Exhaustion fand der Kongress - der 36c3 - in diesem Jahr in Leipzig statt. Etwa 15.000 Teilnehmer*innen fanden den Weg in die Leipziger Messehallen. Direkt hinter der Eingangstüre wurde man von einem Banner begrüßt, der Chauvinismus und Nationalismus als unvereinbar mit den moralischen Grundsätzen des Clubs erklärte (später hing daneben eine Antifa-Flagge).

Aber auch nach dem Einlassprozedere wurde deutlich, dass sich einiges geändert hat. Das Publikum war bunt gemischt. Der Frauenanteil war vor 13 Jahren noch sehr gering. Dieses mal hatte ich das Gefühl, dass es nahezu ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis gab. Das Publikum war in fast allen Belangen erfreulich divers. Der Anteil der jungen Familien war ebenfalls spürbar hoch: Ein eigener Bereich für Kinder war eingerichtet und er wurde rege genutzt. Beim Opening-Event wurde ganz klar gestellt, dass man hier genau richtig ist, wenn man neugierig ist. Spezialwissen sei zwar nett aber keine Eingangsvoraussetzung, um hier mitzumachen. So soll es sein!

Der Ort des Geschehens - die Messe Leipzig - war deutlich größer als das Berliner Kongresszentrum zum 23c3. So kam es, dass sehr viele Leute mit unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln umherfuhren und -liefen… und zu meinem Verblüffen alles konfliktfrei. Alles funktionierte auffallend reibungslos. Niemals sah ich Müll auf dem Boden liegen. Alles schien wohlorganisiert. Bei den Unisex-Toiletten gab es keine Schlangenbildung. Dort aufgehängte Schilder von help.ccc.de wiesen nach den diskutierten Übergriffen auf die Nummern von Hilfe-Nummern hin.

Freiwillige Helfer - so genannte Engel - halfen als Platzanweiser*innen, Türaufhalter*innen, Mülleinsammler*innen. Sie moderierten die Veranstaltungen an, sie dolmetschten synchron in Französisch, Englisch oder Deutsch, sie sorgten für Sauberkeit überall auf dem Gelände und natürlich auch hinter den Kullissen. Einfach toll, wenn soetwas so professionell auf Grundlage von Ehrenamt gelöst wird. Ein großes Danke an alle Engel!

Und inhaltlich so?

Gegenüber meinem letzten Besuch vor 13 Jahren hatte sich auch die inhaltliche Aufstellung massiv verändert. Damals war die Erkenntnis, dass der technische Fortschritt eine Menge ethischer und sozialer Themen tangiert noch recht jung. Heute ist dies allgemein bekannt und die Themen waren so divers wie das Publikum. Ich lernte u.a. etwas über

Ungefähr zur Halbzeit des Kongresses wurde mir bewusst, dass ich einen Schwerpunkt auf die zahlreichen Assemblies setzen sollte. Auf diese Weise war es möglich, Lockpicking auszuprobieren, mit den Macher*innen der Rohrpost aus Halle 3 zu sprechen, T-Shirts im Siebdruckverfahren herzustellen, zu löten und ganz viele Gespräche mit interessanten Leuten zu führen.

Resümee

Ich bin immer noch stark begeistert und mein Fazit lautet: Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder. Der Urlaubsantrag ist schon gestellt. :-) Schön wäre es ja, wenn der Kongress im nächsten Jahr auch in NRW endlich einmal als Bildungsurlaub anerkannt würde.

Update

Weitere Berichte über den 36c3:

Anhang: Notes to myself

Dies sind meine Erkenntnisse, die ich fürs nächste Mal festhalten möchte:

  • Talks sind cool, Assemblies sind cooler!
    Die Talks in den großen Hallen sind interessant und gut. Man kann sie aber - wenn man das möchte - in der Regel alle später im Nachgang noch in der Aufzeichnung anschauen. Bei den Assemblies ist das nicht der Fall. Man trifft dort auf jeden Fall die interessanten Leute und dort werden Themen angesprochen, die nicht unbedingt die breite Öffentlichkeit der nunmehr doch 17.000 Kongressteilnehmer*innen interessiert.
  • Scooter!
    Die Messehallen in Leipzig sind groß und der Kongressbesuch ist anstrengend. Grund genug, Kräfte für das Wesentliche aufzusparen. Viele Leute nutzten Fahrzeuge (wie Scooter, eScooter oder Fahrräder), um von A nach B zu kommen, ich nicht. Schaue ich auf meinem Fitnesstracker, dann habe ich 20k-30k Schritte pro Tag zurückgelegt. Auf dem 36c3 gab es an verschiedenen Stellen Scooterparkplätze, so dass das Mitführen und Abstellen unproblematisch war. Überraschend, wie rücksichtsvoll, harmonisch und unproblematisch der Verkehr dort ablief.
  • Notebook!
    Das nächste Mal werde ich wieder ein Notebook mitbringen. Alleine ein Phone/ Tablet ist nicht ausreichend. Manchmal möchte man einfach Sachen ausprobieren, die nur mit Hardwaretastatur zu erledigen sind.
  • Ohrenstöpsel!
    Auf dem Kongress ist alles interessant und aufregend. Man kann nicht alles mitbekommen. Wichtig ist, für Ruhezeiten zu sorgen. Mit einplanbar sind trotz der vielen Leute durchaus Powernaps vor Ort, denn neben dem Quiet Hack Center finden sich zahlreiche andere Ruheplätze: An verschiedenen Orten finden sich gepolsterte Sitzmöbel, Liegesäcke oder Hängematten zum Schlafen. Für mich allerdings wichtig: Ohrenstöpsel einpacken! Denn die Schlafmöbel sind meistens nicht von Ruhe umgeben (Ausnahme: Quiet Hack Center).
  • DECT-Telefon
    Es klingt antiquiert, aber ein nützliches Helferlein auf dem Kongress ist ein DECT-Telefon. Einfach ein Haustelefon von zu Hause mitbringen, eine Nummer reservieren und schon ist man über das interne Haustelefon auf dem ganzen Gelände erreichbar. Alternativ war es auch möglich, eine SIM-Karte vom NOC zu bekommen und auf das kongresseigene GSM-Netzwerk zurückzugreifen oder per SIP zu telefonieren, aber das war ein wenig wackelig (und nicht jede*r hat ein Dual-SIM-Telefon). Vorteil: Interessiert man sich für ein Projekt/ Assembly/ etc. und findet man niemanden vor Ort vor, kann man so unkompliziert dort anrufen.


Neues von der Shell

31. Dezember 2019 - Christian Saris - Lesezeit: 5 - 6 min.

nerds' stuff software

Ich arbeite oft an der Shell und ich kann behaupten, dass sich in letzter Zeit für mich einiges getan hat in puncto intuitivem Arbeiten. Mit diesem Artikel möchte ich auf einige Projekte und Erweiterungen hinweisen, die mir die tägliche Arbeit mit der Shell versüßen - sowohl daheim auf dem Mac als auch auf der Arbeit unter Linux.

Fish Shell

Unter Linux habe ich schon seit einiger Zeit fishshell im Einsatz gehabt. Im Gegensatz zur Standard bash bietet diese Shell einige intuitive Schmankerl. Beispielsweise erhält man eine wirklich gute Autovervollständigung, die sich zum Einen an der Shell-History orientiert und zum anderen an den Manpages der Kommandos. Die Completion wird zum Teil mit einer Dropdownliste angezeigt, was für Shellumgebungen schon sehr sophisticated ist.

Weiterhin ist die fisshell schön bunt, mit Themes erweiterbar und sie hat im Gegensatz zur Bash eine sehr einfach zu erlernende Skriptsprache. Ein wesentlicher Nachteil ist jedoch, dass sehr viele Funktionen nicht bash-kompatibel sind. So hat man eventuell ein Toolset schon geschrieben und muss feststellen, dass es unter fishshell nicht richtig läuft (und umgekehrt).

Wer neu an der Kommandozeile ist, für den kann fishshell durchaus etwas sein. Das Projekt entwickelt sich auch gerade rasant. Ich bin gespannt.

ZSH

Mit dem letzten Update auf MacOS Catalina hat sich die Standard-Shell plötzlich auf zsh geändert und da nach dem Update nichtmals mehr die bash-completion funktionierte sah ich mich gezwungen, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Und die Features von ZSH überzeugen:

  • Themes machen die Shell sehr ansprechend und es lassen sich viele Informationen ausgeben.
  • Pfad-Vervollständigung: /v/lo vervollständigt sich per -Taste zu `/var/log`
  • Kommandovervollständigung (mit aktivierten plugin zsh-autosuggestions) ähnlich der fishshell
  • Variablenvervollständigung: echo %PATH vervollständigt sich per -Taste zum Inhalt der PATH-Variable
  • PID-Vervollständigung: kill firefox vervollständigt sich per -Taste zu `kill 995`, also die Prozess-ID wird ermittelt und ausgegeben.
  • und vieles mehr, zum Beispiel [hier beschrieben].

iTerm2

Gestoßen bin ich auf allerlei Hilfreiches rund um das Thema Shell. iTerm2 erweitert das Standard Terminal von MacOS X in einer sehr ansprechenden Weise. Es liefert viele Zusatzfunktionen, die man gerne im Standardterminal hätte. Ein Blick auf die Featurelist lohnt durchaus.

Oh my zsh

Oh-my-zsh ist eine Erweiterung für ZSH, die etliche Themes und Plugins bereit hält. Diese erleichtern die Arbeit sehr. Mit ohmyzsh und dem geeigneten Theme lassen sich zum Beispiel out-of-the-box visuell ansprechend Informationen über den git-status anzeigen, sobald man in ein mit git verwaltetes Verzeichnis wechselt. Es werden Return-Codes nach der Beendigung Kommandos ausgegeben und vieles mehr. Eine detaillierte Installationsanleitung findet sich hier.

fzf, fd und bat

In einer Folge der Freakshow wurde ich auf drei weitere nützliche Helferlein aufmerksam. Diese seien hier auch kurz angerissen:

  1. fzf ist ein fuzzy-finder für die Kommandozeile. Das Programm liest von STDIN und sucht mit fuzzy-logic nach dem Vorkommen einer Zeichenfolge. Der Clou dabei, es reduziert die Zeilen des durchsuchten Text auf die Matches und man ist mit den Cursorsteuertasten in der Lage eine Zeile auszuwählen und deren Wert mit auszugeben.
  2. fd ist eine besonders schnell und benutzerfreundliche Alternative zu find.
  3. bat ist eine Alternative zu cat. bat gibt ebenfalls Dateiinhalte aus, verleiht der Ausgabe aber noch Syntaxhighlightning, Zeilennummerierung und Pagination.

Drei Helferlein, die es sich durchaus lohnt, mal anzuschauen. Highly recommended. :-)


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